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Donnerstag, Februar 10, 2011

Topkapi


Jules Dassins Vita allein würde ausreichen, um daraus einen spannenden Film zu machen. Ende der 40er Jahre kreierte er für 20th Century Fox einige der besten Film Noirs, um wenig später Opfer des McCarthyismus zu werden. Mit einem Arbeitsverbot belegt, verließ er die USA und siedelte sich in Europa an. Mit Rififi sollte ihm 1955 sein bekanntester Film gelingen und auch in den 60er Jahren gehörte er zu den gefeierten Regisseuren Europas. Speziell die Produktionen mit seiner Ehefrau Melina Mercouri und ihr politisches Engagement für die Demokratisierung Griechenlands bleiben im Gedächtnis. 1964 kehrte Dassin insofern zu seinen europäischen Filmwurzeln zurück, als dass er mit Topkapi noch einmal einen Heist-Film ablieferte, der zugleich auch als selbstironische Persiflage auf seinen großen Erfolg zu verstehen ist.

Elizabeth Lipp (Melina Mercouri) hat es auf edle Schmuckstücke abgesehen. Speziell an einem mit wertvollen Edelsteinen besetzten Dolch hat sie Gefallen gefunden. Dieser befindet sich im Topkapi-Palast in Istanbul. Zusammen mit Walter Harper (Maximilian Schell), einem Meisterdieb, schmiedet sie einen Plan, um an das Objekt der Begierde zu gelangen. Man einigt sich darauf, Amateure zu engagieren, da diese bei der Polizei noch nicht aktenkundig sind und man so keine Spuren hinterlasse. Alles verläuft wie am Schnürchen, bis sie in Griechenland den selbsternannten Archäologen Arthur Simpson (Peter Ustinov) damit beauftragen, einen Wagen nach Istanbul zu überführen, der mit versteckten Waffen ausgestattet ist. Der türkische Zoll findet diese jedoch an der Grenze und verdächtigt den etwas trotteligen Simpson nun des Terrorismus, da sie der Überzeugung sind, dass die Waffen für ein Attentat bestimmt sind. Um an die Hintermänner zu gelangen, wird Simpson kurzerhand zu einem türkischen Agenten ernannt und auf Lipp und Harper angesetzt. Durch einen Trick kann Simpson sein Verbleiben bei Lipp und Harper erklären und schon bald erweist sich Simpson als unersetzlich, da ein Mitglied der Diebesbande verletzt ausscheiden wird und nur Simpson seinen Platz einnehmen kann…

Auch mehr als 45 Jahre nach seinem Erscheinen, ist es leicht verständlich, was Topkapi auszeichnet(e). Vor der faszinierenden Kulisse Istanbuls spielend, verfolgt der Zuschauer das Treiben jener bunten Truppe. Passend zum Wetter und der Entstehungszeit strahlt der Film eine herzliche und gelöste Atmosphäre aus. Letzteres liegt vor allem an den teils skurrilen Charakteren, denen man begegnet. Da gibt es den exzentrischen, britischen Tüftler, der in einem Spielzeugladen zu wohnen scheint und nicht zuletzt ist es Ustinovs tollpatschiger Simpson, der sich in die Herzen des Publikums spielt. Nichtsdestotrotz merkt man dem Film aber auch an, dass er nicht ganz so gut gealtert ist. Primär die Eröffnungssequenz ist deutlich als Kind der Zeit zu erkennen, wirkt aber gleichzeitig wie ein deplatziertes Gimmick und auch die allgemeine Formel des Heist-Films ist hier recht schleppend erzählt, so dass die Spannungskurve während der zwei Stunden einige Beulen bekommt, was stellenweise auch daran liegt, dass Szenen zu sehr gedehnt werden, wie z.B. jene während des Ringkampfturniers. Andererseits wird die Spannung beim finalen Einbruch dann wieder merklich angezogen und Reminiszenzen zu Rififi werden geweckt. Erneut stellt Dassin sein ganzes inszenatorisches Können unter Beweis und nicht umsonst wird jener Einbruch auch in Brian De Palmas Mission: Impossible (1996) zitiert. So entschädigt das Finale für einige zähe Passagen.

Dass diese ebenfalls nicht so sehr ins Gewicht fallen liegt auch an den Schauspielern, die den Zuschauer auch in jenen Momenten unterhalten können. Speziell Peter Ustinov sticht hervor, dessen Darbietung des Arthur Simpson genau richtig betont ist, um diesen liebenswerten Lebenskünstler glaubhaft wirken zu lassen, der hier in etwas verwickelt ist, was viel größer als er selbst ist und zwischen den Stühlen des türkischen Geheimdienstes und der Diebesbande sitzt. Seine zweite Oscarauszeichnung war insofern die richtige Konsequenz. In einer tollen Nebenrolle brilliert auch Akim Tamiroff, der einen dauerbetrunkenen Koch spielt, der Lipp und ihre Bande für russische Spione hält und unbedingt einen Orden bekommen möchte. Besonders im Vergleich zu Ustinov fallen Schell und Mercouri zurück. Ersterer schafft es nicht wirklich, sich als Mastermind zu präsentieren und brilliert eher mit seinem guten Aussehen und Melina Mercouri möge es mir verzeihen, wo immer sie jetzt auch sein mag, dürfte die Rolle der blonden Verführerin und Juwelenliebhaberin primär ihrer Ehe mit Dassin zu verdanken haben. Talent ist ihr sicherlich nicht abzusprechen aber die Rolle der Elizabeth Lipp, so wie sie vom Drehbuch angelegt ist, ist für sie suboptimal.

Auch wenn der Film ein wenig von seinem früheren Charme verloren hat, kann Topkapi noch immer gut unterhalten und gehört zum Standardrepertoire des Heist-Films: 7,5/10.

Mittwoch, November 24, 2010

Das Schweigen des Meeres


Auf den ersten Blick mag Jean-Pierre Melvilles Le Silence de la Mer ein wenig atypisch wirken, wurde Melville doch vor allem aufgrund seiner Gangsterfilme wie zum Beispiel Le Samouraï (1967) oder Le Cercle Rouge (1970) bekannt. Doch auch das Thema Résistance ist in seinen Filmen präsent, vor allem in L’Armée des Ombres und eben jenem Film, um den es in diesem Text geht. Dabei ist Le Silence de la Mer nicht nur aufgrund seines Inhalts von großem Interesse, es ist auch die Entstehungsgeschichte und die Bedeutung für das Filmland Frankreich als Solches, die diesem Film einen Platz in den Annalen eingebracht hat.

Unabhängig und gegen den Willen der Filmgewerkschaften gedreht, ebnet Melville so auch den Weg für die Nouvelle Vague, wenngleich er Ende der 40er Jahre erst einmal genug Probleme damit hatte, den Film überhaupt machen zu können bzw. zu dürfen. Die Geschichte basiert nämlich auf einem Roman des Schriftstellers Vercors, der zur Zeit der Okkupation Frankreichs im Untergrund veröffentlicht wurde. Melville, selbst Mitglied der Résistance, hatte große Schwierigkeiten, Vercors‘ Einverständnis zu bekommen. So schlug Melville vor, den fertigen Film einer Gruppe ehemaliger Résistancemitglieder, darunter auch Vercors, zu zeigen und diese sollen dann entscheiden, ob der Film werkgetreu ist und aufgeführt werden kann. Es wurde für den Film votiert.


Die Geschichte selbst spielt in einem kleinen französischen Dorf im Jahr 1941. Nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht werden diverse Wohnhäuser requiriert, damit diese als Offiziersunterkünfte dienen können. Eines jener Häuser wird von einem Onkel (Jean-Marie Robain) und seiner Nichte (Nicole Stéphane) bewohnt. Als unbeliebter Untermieter zieht der deutsche Offizier Werner von Ebrennac (Howard Vernon) ein. Jeden Abend, erst zögerlich, später dann aber wie selbstverständlich, gesellt sich von Ebrennac zu den beiden Hausbewohnern vor dem Kamin, um in ausführlichen Monologen, seine Weltsicht darzulegen und seine Liebe zu Frankreich zu gestehen. Als Zeichen des Widerstands wechseln der Onkel und die Nicht kein Wort mit von Ebrennac und hören schweigend zu. Die Szenerie ändert sich jedoch, als von Ebrennac Urlaub in Paris macht und sich dort mit alten Kameraden trifft, die seine frankophile Ader nicht nur nicht teilen, sondern auch davon sprechen, wie alles Französische nach dem Endsieg vernichtet werden soll. Um nicht selbst Teil dieser Maschinerie zu werden, meldet sich von Ebrennac nach seiner Rückkehr in das Haus des Onkels freiwillig zur kämpfenden Truppe.
Stille, das ist das zentrale Thema der Geschichte, und so betritt Melville bei der Adaption des Stoffes auch Neuland, indem er einen Großteil der vom Onkel gesprochenen Dialoge als Gedanken aus dem Off sprechen lässt. So gibt es während des Films immer wieder Szenen, in denen das Schweigen zwischen dem Onkel und der Nichte auf der einen, und von Ebrennac auf der anderen Seite die Spannung in den Höhepunkt treibt. Untermalt werden diese Momente meist durch das schonungslose Ticken der Wanduhr. So ist es vor allem das Spiel mit dem Schweigen und den Hintergrundgeräuschen, das der Szenerie einen unverkennbaren Charakter gibt und die Distanz zwischen den Charakteren verdeutlicht. Und doch merkt man im Verlauf, dass sich der Onkel und der Offizier gar nicht so unsympathisch finden, ertappt sich der Onkel immer wieder dabei, wie er die Monologe von Ebrennacs genießt. Es ist im Grunde schon interessant, welch differenziertes Bild hier von von Ebrennac gezeichnet wird. Man zeigt einen rationalen deutschen Offizier und das vor dem Schrecken des Zweiten Weltkriegs, der auch im Film omnipräsent ist und an verschiedenen Stellen erwähnt und angedeutet wird – speziell beim Besuch in Paris.  Auch die (passive) Rolle der französischen Bevölkerung bietet Raum für Interpretationen.

Schwenkt man wieder auf die filmische Ebene zurück, so kommt man nicht umher, die Kameraarbeit Henri Decaës zu loben, dessen Ausleuchtung der Szenen fürwahr meisterlich ist. So treiben die gezeigten Bilder den Film allein voran, ohne dass man viele Worte verlieren muss. Oft sind es kleine Gesten, Bewegungen, die viel über den Zustand der Charaktere preisgeben, wenn z.B. die Nichte beim Stricken ist und es eine Großaufnahme ihrer Hände gibt. Trotzdem ist es am Ende ein Wort, welches den emotionalen Höhepunkt des Films beschreibt. Ein sanftes „Adieu“, als von Ebrennac die Beiden verlässt und sie genau wissen, welch Schicksal den Offizier ereilen wird.

Die Größe Le Silence de la Mer in Worten auszudrücken, ist nahezu unmöglich, da man ihn gesehen haben muss, um seine Bedeutung für das französische Nachkriegskino zu verstehen und der Film unterstreicht darüber hinaus, mit welch einem Talent Melville gesegnet war, um so früh in seiner Karriere solch ein Werk abliefern zu können: 09/10.

Freitag, September 03, 2010

Bewegliche Ziele

Die interessantesten Geschichten schreibt noch immer das Leben. Unter der Prämisse, Boris Karloff schulde ihm noch zwei Drehtage und er müsse Stockfootage aus The Terror - Schloss des Schreckens (1963) benutzen, genehmigte der legendäre Roger Corman Peter Bogdanovichs ersten bekannten und von der Kritik geschätzten Kinofilm: Targets bzw. Bewegliche Ziele – so der deutsche Titel.
Anstatt jedoch aus dem Stockfootage und eigenem Material ebenfalls in Richtung Gothic-Horror zu gehen, entschied sich Bogdanovich, im Stile des aufblühenden New Hollywood-Kinos, den Horror der Neuzeit auf die Leinwand zu bannen und gleichzeitig schuf er einen letzten Genrehöhepunkt für den Altmeister Boris Karloff.

Die Geschichte erstreckt sich dabei in zwei zunächst parallelen Handlungssträngen. Auf der einen Seite verfolgt der Zuschauer den gealterten Horrorstar Byron Orlok (Boris Karloff), der, sichtlich unzufrieden mit seinem letzten Film, nach einem Testscreening – das Material von The Terror wird hier teilweise eingesetzt – sein Karriereende bekannt gibt. Für seinen Regisseur Sammy Michaels (Peter Bogdanovich) ist das ein Schock, hat er doch die perfekte Rolle für Orlok in seinem nächsten Film, der ganz anders sein soll, als die bisherigen Produktionen mit ihm. Doch Orlok lässt sich nicht umstimmen, auch wenn Michaels ihn immer wieder bedrängt. Orlok ist sich sicher, dass die (Schauspiel)Zeit für ihn abgelaufen sei und die Menschen Angst vor ganz anderen Dingen hätten als noch vor 30-40 Jahren. Nur zu einem letzten Auftritt lässt er sich überreden: die Vorstellung seines neusten Films in einem örtlichen Autokino.
Nahezu gleichzeitig beobachtet man Bobby Thompson (Tim O’Kelly), Typ Nachbarn von nebenan, wie er in einem Waffengeschäft ein Gewehr kauft. Anfangs nichts Ungewöhnliches, doch ein Blick in seinen Kofferraum verheißt nichts Gutes: ein ganzes Waffenarsenal führt er mit sich. Zusammen mit seiner Frau und seinen Eltern wohnt er in einem Einfamilienhaus. Der Zuschauer merkt, dass es in ihm brodelt, und auch Bobby bemerkt seine Entwicklung, doch zu einem Gespräch mit seiner Frau kommt es nicht mehr, da sie während des täglichen Trotts scheinbar keine Zeit für eine Aussprache haben. So folgt der Ausbruch des Vulkans wenige Tage später und Bobby erschießt erst seine Frau, dann seine Mutter und zieht, bis an die Zähne bewaffnet los, um von Industriesilos vorbeifahrende Autos auf dem Highway zu beschießen. Als die Polizei dies bemerkt, flüchtet er und sucht sich ein neues Ziel, indem er sich hinter der Leinwand des nächsten Autokinos verbarrikadiert…

Nun braucht man sicherlich kein Filmstudium um zu erahnen, dass es schlussendlich zu einem Aufeinandertreffen zwischen Byron und Bobby kommen muss, dem modernen Horror und der „antiken“ Variante, doch bevor es soweit ist, bekommt der Zuschauer erst einmal einen Einblick in das Leben der 60er, eine Zeit, die auch Byron nicht mehr zu verstehen scheint. Der Wandel in der Gesellschaft wird also anhand zweier Personen, Byron und Bobby, dargestellt. So ist vor allem die mangelnde Kommunikation der Menschen zu beobachten, die im Falle von Bobby zwar unter einem Haus leben, sich aber nur über Nichtigkeiten austauschen oder gemeinsam die Abende vor dem Fernseher verbringen, wenngleich Bobby seine Probleme gegenüber seiner Frau andeutet, die ihn aber zurückweist.
Byron hingegen ist es Leid, wie ein Relikt vergangener Tage in miserablen Produktionen angegafft zu werden – ein nicht zu übersehender Seitenhieb auf so manch filmischen Ausrutscher in Karloffs Karriere.

So ist der Film nicht nur von der Story her zweigeteilt, sondern auch von der Atmosphäre. Immer wenn Bobby zu sehen ist, macht sich ein Gefühl von Unbehagen breit, diese latente Gefahr, die Ruhe vor dem Sturm und man denkt, er könne jederzeit explodieren. Byrons Part wirkt dagegen viel gelöster, was auch an Sammys Charakter liegt, der ja versucht, Byron noch umzustimmen und so z.B. mit ihm einen Trinkabend in seinem Hotelzimmer veranstaltet, inkl. Kater und einem „schrecklichen Erwachen“. Hier zeigt Karloff auch ungeahnte komödiantische Talente. Deutlich merkt man auch den New Hollywood-Einschlag. Einerseits anhand der Thematik und andererseits an der Optik des Films. Besonders die Außenaufnahmen wurden hier im Guerilla-Stil ohne Genehmigungen gedreht und auch sonst wird bei der Inszenierung auf das Opulente der Spät 50er und 60er Jahre verzichtet und so gibt sich der Film passend zu seinem Thema recht nüchtern, was sich auch im Fehlen eines Score niederschlägt.

Mit Targets ist Bogdanovich jedenfalls ein überaus intelligenter und packender Film gelungen, der jedem Interessierten ans Herz gelegt werden kann: 08/10.

Sonntag, Juli 25, 2010

Angriff der Riesenkralle

Tief in den Katakomben der großen Studios schlummer(te)n sie, die fast vergessenen „Perlen“ der diversen B-Movie-Abteilungen, deren Filme selten Preise gewannen oder groß im Rampenlicht standen, dafür aber oft das Rückgrat der Filmindustrie bildeten und als günstig produzierte Cash-Cows die berühmten Produktionen subventionierten. Einer der Herren dieser Einheiten war Sam Katzman, der als Produzent und Regisseur u.a. für Columbia lange Jahre im Dienst war. Während er mit Twist Around the Clock (1961) vielleicht seinen größten finanziellen Erfolg als Produzent feierte, war Katzman aber auch für einen heute berüchtigten Film verantwortlich: The Giant Claw (1957). Berüchtigt, weil er sich einen Namen als einer „der schlechtesten Filme aller Zeiten“ gemacht hat, was sicherlich übertrieben ist. Nichtsdestotrotz wandelt sich der von den Plakaten proklamierte Angriff auf die Nerven zu einem unfreiwilligen Angriff auf die Lachmuskeln und schnell ist es nachvollziehbar, warum dieser 50s Sci/Fi-Horror-Genremix eine breite Fangemeinde hat.

Schon der Beginn lässt aufhorchen, wenn ein bierernster Off-Kommentator erst die Fortschritte menschlicher Ingenieurkunst lobt, um dann wenig später auf die sog. Ruhe vor dem Sturm hinzuweisen. Während dieser Szenen lernt der Zuschauer auch die menschlichen Hauptakteure kennen, die gerade mit der Kalibrierung einer Radaranlage der USAF beschäftigt sind: der Elektronikexperte Mitch (Jeff Morrow) und seine hübsche Partnerin, die Mathematikerin Sally (Mara Corday). Das Unheil nimmt seinen Lauf, als Mitch bei einem Probeflug ein unbekanntes Flugobjekt sichtet – das geschulte Auge erkennt einen undefinierbaren Klumpen vorbeihuschen. Doch weder das Radar noch die alarmierten Abfangjäger können am Himmel etwas erkennen. Kein Wunder also, dass Mitch aufgrund des vermeintlichen Scherzes vor allem bei General Van Buskirk in Ungnade fällt. Als dann jedoch mehrere Flugzeuge vermisst werden und Mitch und Sally bei einem Flug zurück nach New York ebenfalls attackiert werden und abstürzen, nimmt das Militär die Sache etwas ernster, denn jedes Mal war nichts zu erkennen auf dem Radarschirm. Erst Aufklärungsbilder aus einem Wetterballon bringen des Rätsels Lösung: man hat es mit einem Vogel zu tun, der so groß wie ein Schlachtschiff ist. Alle Versuche, das gefederte Monster abzuschießen, schlagen zuerst fehl, da der Vogel from Outer Space einen Schutzschirm aus Antimaterie besitzt. Doch dann hat Mitch die rettende Idee…

… und der Zuschauer liegt zwischenzeitlich weinend auf dem Boden, den Bauch haltend aufgrund der Lachkrämpfe. Dabei hätte der Film durchaus ordentlich werden können – natürlich relativ gesehen angesichts der Geschichte – aber ein klammes Budget durchkreuzte diese Pläne. Dass es nämlich auch anders geht, hat Regisseur Fred F. Sears schon ein Jahr vorher bewiesen, wo er mit Earth vs. the Flying Saucers einen grundsoliden Genrebeitrag abgeliefert hat, inkl. der F/X des einzigartigen Ray Harryhausen. Jener war auch bei The Giant Claw im Gespräch, doch ohne Moos nix los und am Ende wurde nichts aus Stop Motion-Effekten und dafür gab es diese mexikanische Vogelmarionette, deren bizarres Aussehen – Irokesenschnitt, absurde Proportionen uvm. – Lachanfälle auslöst, sobald sie auf der Leinwand auftaucht. Letzteres dürften die Macher geahnt haben, deshalb muss man auch knapp eine halbe Stunde auf den Auftritt warten. Doch damit nicht genug, glänzt der Film weiterhin mit lächerlichen Rückprojektionsaufnahmen und exzessivem Einsatz von Stock Footage – u.a. auch aus Earth vs. the Flying Saucers und vielen weiteren ähnlich gelagerten Genrebeiträgen – sodass es zu atemberaubenden Kontinuitätspannen kommt, die die unfreiwillige Komik fördern. Kombiniert mit der Tatsache, dass Cast & Crew die Story an sich trocken und ernst vortragen – der Off-Kommentator gibt sich die größte Mühe – ist die Gaudi komplett. Dabei spielen Jeff Morrow und Mara Corday gar nicht so übel und speziell die Szenen, in denen sie sich Oneliner an den Kopf werfen dürfen, können überzeugen und bieten (gewollt) humoristische Züge. Davon bleibt aber wenig in Erinnerung, thront doch über Allem das mexikanische Antimaterie-Gummihühnchen und wenn man dann auch noch liest, dass weder die Plakatgrafiker noch die Schauspieler das „Monster“ vor der eigentlichen Premiere gesehen haben, bekommt man einen ganz guten Eindruck, wie in so manch B-Schmiede wohl gearbeitet wurde. Andererseits wäre der Film wohl komplett in der Anonymität der Masse verschwunden, wenn er nicht so wunderbar schlecht gemacht wäre. Also doch ein cleverer Schachzug von Sam Katzman und seinem Team? Rein objektiv betrachtet bleibt am Ende nur ein recht vernichtendes Urteil übrig und so bekommt dieses skurrile Marionettenkuddelmuddel noch knapp 3 Punkte, während er sich unter Trashgesichtspunkten sicherlich volle 10 Zähler gesichert hat.

Montag, Juli 19, 2010

Ivanhoe - Der schwarze Ritter

1820 veröffentlichte Sir Walter Scott seinen Roman Ivanhoe, der reale Geschehnisse und Fiktion mit einander verbindet und den Leser ins England des 12. Jhs. entführt, in die Zeit der Kreuzzüge und Richard Löwenherzs. Aufgrund seiner Popularität wurde das Werk zum ersten Mal im Jahre 1913 verfilmt, wenngleich Richard Thorpes 1952er Version mit Robert Taylor, Elizabeth Taylor und Joan Fontaine sicherlich die bekannteste Adaption sein dürfte und einen schönen Einstieg in Hollywoods Technicolor-Lümmelein bietet.

Wie man sich anhand des Titels denken kann, dreht sich die Geschichte um Sir Wilfred of Ivanhoe (Robert Taylor), der aus dem Heiligen Land zurückkehrt, um die Befreiung Richard Löwenherzs aus österreichischer Gefangenschaft zu organisieren. In England angekommen muss er sich jedoch vor den Normannen, den Verbündeten Prinz Johns, der für die Festnahme seines Bruders Richards in Österreich mit verantwortlich war, in Acht nehmen. Unterstützung erhofft sich Ivanhoe von seinem Vater "Cedric dem Sachsen", der seinen Sohn aber aufgrund der Teilnahme an Richards Kreuzzügen vom Hofe verbannt hat. Trotzdem führt er eine Gruppe normannischer Ritter, die auf der Suche nach einer Unterkunft sind, zum Hofe seines Vaters, um dort mit Hilfe seiner Liebe Rowena (Joan Fontaine) Cedric umzustimmen. Dies gelingt zunächst nicht. Dafür aber sucht auch der jüdische Geldverleiher Isaac von York in dieser Nacht Unterschlupf bei Cedric und als dieser im Schlaf überfallen wird, kann Ivanhoe die Räuber stellen und Isaac sicher nach Hause geleiten. Mit dem Versprechen, die Judenverfolgung nach Richards Rückkehr stoppen zu lassen, kann er die Zusage der jüdischen Gemeinde gewinnen bei der Auferbringung des Lösegelds zu helfen. Dank Isaacs Tochter Rebecca (Elizabeth Taylor), die schnell ihr Herz an Ivanhoe verloren hat und ihm Edelsteine für Pferd und Rüstung schenkt, kann dieser auch beim Ritterturnier von Ashby teilnehmen, um dort die Ehre der Angelsachsen zu verteidigen. So führt er unter den Augen Johns als Schwarzer Ritter gekleidet seine normannischen Gegner - jene, die er zu seinem Vater geführt hat - regelrecht vor, wird aber beim letzten Kampf verwundet und ins Haus von Isaac und Rebecca gebracht, um dort geheilt zu werden. John, der die Schmach nicht erträgt, lässt daraufhin alle Beteiligten festnehmen und einsperren. Doch nicht nur Ivanhoe kämpft gegen Johns Regime, sondern auch diverse Freischärler, die in den Wäldern rund um Sherwood Forest den Widerstand proben und schließlich Ivanhoe, Rowena, Rebecca und Co. zur Hilfe eilen...

Obwohl für die Adaption schon einige Handlungsstränge fallengelassen wurden, ist die Story, zumindest auf dem Papier, noch immer durchaus komplex und so soll der kurze Storyabriss auch reichen, um einen ersten Eindruck zu vermitteln. Im Film selbst ist es dann, abgesehen vom Anfang, wo man ein wenig unvorbereitet hineingeworfen wird, dann auch gut verständlich, wer hier mit wem was gemacht hat und sowieso und überhaupt. Der Weg ist also bereitet für Ritterspektakel, wie man es aus früher Kinderphantasie kennt. Regisseur Richard Thorpe hat den Film dabei routiniert inszeniert und da man in den USA wenig Burgen zur Verfügung hat, wurde auch stilecht in England gedreht, sodass das Technicolorpotential - hier übrigens noch in Vollbild - gut ausgeschöpft wird und man bei manch Szene echt am Zweifeln ist, ob das Bild real oder gemalt ist. Inhaltlich blieb man der Vorlage - wie schon erwähnt - halbwegs treu, sodass sich auf der einen Seite Dramatik, Spannung und Intrigen finden lassen, während jene Momente immer wieder durch "zünftige" Actionszenen unterbrochen werden - das Blockbusterkino der 50er Jahre eben. Getragen wird der Film dann von seinem charismatischen Hauptdarsteller Robert Taylor, der in seiner schwarzen Ritterrüstung die Herzen von Joan Fontaine und Elizabeth Taylor erobert - wer hätte in der Situation nicht mit ihm tauschen wollen? Untermalt wird das Ganze dann auch noch vom passend pompösen Score von Miklós Rózsa und zack, jeder verregnete Sonntag entwickelt sich zu einem Ritterspektakel. Filme jener Art dürften sicherlich ganze Generationen vor dem heimischen TV geprägt haben und bei Thorpes Ivanhoe ist es auch nachvollziehbar, denn technisch und inhaltlich gibt es hier nicht viel zu meckern und deshalb lautet mein Tipp: DVD einlegen und das Technicolorabenteuer kann beginnen: 7,5/10.
Ich empfehle übrigens vodkamartinis Kritik in der ofdb: Hier.

Montag, Juli 05, 2010

Ring frei für Stoker Thompson

Es ist 09.05pm in Paradise City als der Zuschauer zum ersten Mal auf den Helden des heutigen Abends trifft.

Die Zeitungsjungen verkünden draußen die wichtigsten Informationen zu den abendlichen Boxkämpfen, während Stoker Thompson (Robert Ryan), einer dieser neuzeitlichen Gladiatoren, noch in seinem Hotelzimmer gegenüber der Boxhalle wartet. Einen Kämpfer stellt man sich jedoch anders vor. Mit weit über 30 Jahren gehört er schon längst zum alten Eisen und seine katastrophale Kampfbilanz spricht Bände. Trotzdem geht Stoker noch immer diesem Sport nach, denn die Hoffnung, noch einmal zu siegen und vielleicht doch noch den Großen Sprung zu schaffen, hält ihm am Leben. Julie (Audrey Totter), seine Frau, kann es indes nicht mehr ertragen, wenn ihr Mann zusammengeschlagen wird und nach einem Kampf schwer gezeichnet nicht einmal mehr weiß, wer er ist und so schlägt sie auch zum ersten Mal die Bitte ihres Gatten aus, sich den Kampf anzuschauen.
Quasi zur gleichen Zeit manipuliert Stokers Manager Tiny den Kampf gegen Tiger Nelson und verspricht dem anderen Lager gegen eine kleine Gebühr, dass Stoker verlieren wird. Aufgrund der früheren Resultate ist man sich der Sache so sicher, dass man nicht einmal Stoker selbst einweiht und so sackt Tiny das Geld ganz allein ein.

72 Minuten später, um 10.17pm werden Film und Kampf beendet sein.

Bevor nun aber die letzten Bilder über die Leinwand flackern, nimmt uns Regisseur Robert Wise (The Haunting, West Side Story) mit auf eine Tour de Force, auf einen Ausflug, der den täglichen Kampf ums Überleben zeigt. Es ist der Ring, der hier allegorisch den Mittelpunkt der Geschichte bildet. Doch bevor Stoker die Boxhandschuhe überziehen darf, nimmt sich Wise viel Zeit, um die Spannung aufzubauen und die Menschen zu zeigen, die auf der jeweiligen Seite des Rings aktiv sind. Spätestens mit dem Betreten der Umkleidekabinen merkt dann auch der Letzte, dass wir es hier nicht mit dem Madison Square Garden zu tun haben. Es ist viel mehr eine dieser Boxhallen im Lande, die für viele Kämpfer einen Scheideweg darstellen. Nur für wenige, wie z.B. für Luther Hawkins – die Hauptattraktion des Kampfabends - , scheint der Weg nach oben zu weisen, während sich der Rest, Kämpfer wie eben auch Stoker, kontinuierlich auf dem absteigenden Ast befinden. Dem Boxzuschauer scheint es dafür weitestgehend egal zu sein, wer sich die Köpfe einschlägt und so wird das brave bürgerliche Gesicht auch mit dem Betreten der Halle abgelegt und man schreit nach Blut und Härte, während man mit dem anderen Ohr gerade ein Baseballspiel verfolgt oder sich den dritten Hot Dog einverleibt.

Was ist es, das den Menschen am Ende am Leben erhält? Für Stoker mag es Hoffnung sein aber nachdem er mitbekommen hat, dass der Kampf manipuliert wurde, sind es Stolz und Ehre, die ihn weiterkämpfen lassen und so schafft er das Unerwartete und schickt Tiger Nelson in der letzten Runde zu Boden.

The Set-up, das ist Film Noir pur. Dies schlägt sich nicht nur in der Story nieder sondern auch in der Ästhetik des Films. Wise, dessen filmische Ursprünge im Bereich des Filmschnitts liegen und der u.a. auch Citizen Kane auf seinem Cutterpult hatte, hat ein geniales Gespür für Räume und Montagen und in Kombination mit der Kamera Milton R. Krasners kreierte er einen unverkennbaren, genialen Look. So können die Boxszenen – Ryan war übrigens selbst Amateuerboxer – auch heute noch viele thematisch ähnlich gelagerte Filme in die Tasche stecken und der Einsatz von verschiedenen Kameras außerhalb des Rings zahlte sich aus. Nicht weniger grandios sind die Montagen, die mit Julies Stadtbummel einhergehen, was schlussendlich in dem eindrucksvollen Zerreißen der Eintrittskarte kulminiert. Ein Beispiel für Wises Gespür für Räume ist sicherlich die Szene kurz vor Ende, als Robert Ryan durch die menschenleere Halle rennt. Untermalt wird das ausgezeichnete Bild des Films durch die Schauspieleinlagen. Robert Ryan nimmt man seine Rolle jederzeit ab, auch wenn die Vorlage eigentlich einen schwarzen Helden vorgesehen hat – nur gab es zu der Zeit keine schwarzen Filmstars - , während Audrey Totter wesentlich mehr ist als nur hübsches Beiwerk.

Insofern ist es, dass diese RKO-Produktion aus dem Jahre 49 fast ein wenig in Vergessenheit geraten ist, während Mark Robsons Champion und Robert Rossens Body and Soul weit öfter genannt werden, wenn es über das Thema Boxen im Kontext des Film Noirs gesprochen wird. Dabei braucht sich The Set-Up vor seiner namhaften Konkurrenz nicht verstecken, zählt er doch zu Robert Wises besten Filmen und unter Noirheads ist der Film definitiv ein Must-See – für den filmisch interessierten Rest übrigens auch.

Inzwischen ist es 10.17pm – und ja, der Film spielt in Echtzeit – und Stoker Thompson muss nun die Konsequenzen seiner Entscheidung tragen, denn so ist das Leben.

Dienstag, Juni 01, 2010

Schnellboote vor Bataan


Dass Film weit mehr als nur harmlose Berieselung ist, dürfte im Grunde jeder schon am eigenen Leib erfahren haben. Wie oft hat man schon mit einem Charakter mitgefiebert, während man dem Antagonisten den Tod an den Hals gewünscht hat? Film, das ist auch immer eine Manipulation des Zuschauers, die natürlich in jede Richtung gehen kann. Der Macht dieses Mediums war man sich natürlich auch während des Zweiten Weltkriegs bewusst und so haben Nationen beider Kriegsparteien Film als Propagandamittel eingesetzt. So drehte der schon damals gefeierte John Ford verschiedene Dokumentationen für das Navy Department und das Office of Strategic Services. Angesichts dieser Vita ist es wenig verwunderlich, dass man seinem 1945 entstandenen Kriegsfilm Schnellboote vor Bataan skeptisch gegenüber tritt. In Kombination mit John Wayne meint man das Pathos schon fast riechen zu können.

Der Film spielt im Jahr 1941, kurz vor dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor. Die beiden Lieutenants Brickley (Robert Montgomery) und Ryan (John Wayne) sind einer Schnellbootflotille auf den Philippinen zugeteilt. Doch die Navy ist nicht von der Schlagkraft der kleinen Boote überzeugt und Ryan, der durchaus seine Karriere gefährdet sieht, möchte am liebsten versetzt werden. Der Kriegseintritt der USA ändert die Situation nur insofern, als dass Ryan doch auf den Philippinen verbleibt, denn die Marineführung hält weiterhin wenig von den wendigen Schnellbooten und hält für den kleinen Trupp zuerst nur Transport- und Kommunikationsaufgaben bereit. Doch auch diese Missionen sind alles andere als ungefährlich, was Ryan am eigenen Leib erfahren muss. Nur widerwillig lässt er sich in das nächste Lazarett bringen, wo er die Bekanntschaft der schönen Krankenschwester Sandy Davyss (Donna Reed) macht. Für eine große Romanze ist jedoch kaum Zeit, stehen die Japaner quasi vor der Tür und erst jetzt, als die Situation immer ernster wird, dürfen die Schnellboote auch Kampfeinsätze fahren. Trotz zahlreichen Erfolgen sind sie den heranrückenden Truppen zahlenmäßig deutlich unterlegen und schon bald wird die entscheidende Schlacht um die Philippinen folgen. Vorher muss der Trupp jedoch noch eine Geheimmission absolvieren: die Evakuation der Militärelite auf den Philippinen, damit diese mit einem Flugzeug nach Australien ausgeflogen werden können. Noch einmal werden alle Kräfte mobilisiert.

Schnellboote vor Bataan ist ein schönes Beispiel dafür, wie schnell sich ein Genre unter Umständen ändern kann. Während amerikanische Kriegsfilme zu Beginn des Zweiten Weltkriegs noch von patriotischen „Wir schlagen zurück“-Reden durchzogen waren und heroische Soldaten bis zum letzten Atemzug für ihr Vaterland kämpften, hat sich 1945 der Duktus geändert. Inzwischen waren die Genrebeiträge subtiler geworden, ruhiger und vor allem authentischer, da diverse Veteranen an den Produktionen mitwirkten, die Schauspieler zum Teil selbst dienten – Montgomery war zum Beispiel einem Schnellbootkommando zugeteilt und sich das Blatt des Krieges natürlich auch gewendet hat. Das amerikanische Publikum brauchte keine unmittelbare Unterstützung und Erinnerung an die vernichtenden Niederlagen von z.B. Pearl Harbor und den Philippinen. Das Blatt hatte sich gewendet, man hatte zurückgeschlagen. So versucht Ford auch viel mehr, den Alltag der Soldaten darzustellen, die ihren Dienst auf den Philippinen abgeleistet haben. Speziell dieses Dienstableisten hat eine hohe Bedeutung für den Film, was spätestens in den Schlußszenen verdeutlicht wird. Halsbrecherische Kamikazeunternehmen sucht man hier genauso vergebens, wie eine unmenschliche Darstellung der Japaner. Sowieso sucht man den Feind hier vergeblich, denn bis auf einige wenige Szenen, in denen man japanische Flieger und Schiffe sieht, bekommt man ihn nicht zu Gesicht und doch scheint er allgegenwärtig zu sein. Dies soll wiederum nicht bedeuten, dass man hier schon von einer kritischen Aufarbeitung der Geschehnisse sprechen kann, nicht bei einem John-Ford-Film aus dieser Zeit und natürlich trifft man noch immer auf Pathos, speziell das letzte Bild des Films ist dafür ein gutes Beispiel aber insgesamt hat man dieses Element auf ein erträgliches Maß reduziert.

Rein inhaltlich ist der Film fast episodenhaft aufgebaut, wobei besonders die John Wayne – Donna Reed Episode ein wenig zu einem Bruch führt und Schnellboote vor Bataan ein wenig in die Länge zieht. Zum Schluß merkt man schon, dass man stramm auf die 140 Minuten zugeht. Nichtsdestotrotz wusste sich John Ford zu helfen und hat die restlichen Szenen teils spektakulär auf die Leinwand gebannt. Unter Zuhilfenahme der US-Streitkräfte wurden so waghalsige Actionszenen inszeniert, die vor 65 Jahren sicherlich noch eine ganz andere Wirkung hatten als heute. Da brausen die Schnellboote durch die Gewässer Floridas – hier wurde gedreht – und werden von Fliegern beschossen, von Küstenbatterien ins Kreuzfeuer genommen und die Geschützkugeln schlagen nur wenige Meter neben ihnen im Wasser ein. Blickt man jetzt noch kurz auf die schauspielerische Seite, findet man natürlich routinierte Arbeit vor, wenngleich Montgomery, der am Set wohl auch von John Ford bevorzugt behandelt wurde und diesen sogar als Regisseur vertreten hat, als Ford krank war, Wayne die Schau stiehlt. Im Grunde aber kein Wunder, dürfte der Dreh für Montgomery eine Rückkehr auf bekanntes Terrain gewesen sein.

Insgesamt ist John Ford ein äußerst guter Genrebeitrag gelungen, der nicht ganz pathosfrei eine unterhaltsame und stellenweise durchaus emotionale Geschichte aus den frühen Kriegstagen der USA erzählt, die sicherlich auch für Einsteiger geeignet ist. Die Zähe mancher Abschnitte des Films und die etwas zu lang geratene Laufzeit fallen dabei negativ ins Gewicht: 7,5/10.

Dienstag, Mai 11, 2010

Der eiskalte Engel

Regisseure wie John Woo oder Johnnie To verehren Jean-Pierre Melvilles Le Samouraï und für viele Filmfans ist Alain Delons Jef Costello die personifizierte Coolheit. Produziert im Jahre 1967 wirkt er doch fast wie ein Fremdkörper in der Kinolandschaft jener Tage. Dabei ist der Film stilistisch und inhaltlich nur eine konsequente Fortsetzung in Melvilles Œuvre. Das klassische US-Kino trifft auf die Nouvelle Vague. Garniert mit einer Prise Samuraifilm entstand so ein zeitloser Klassiker.

Jef Costello (Alain Delon) ist ein Killer, ein eiskalter Profi. Normalerweise erledigt er seine Aufträge präzise. Bei seinem letzten Job, dem Mord an einem Pariser Barbesitzer, wird er jedoch von mehreren Personen beobachtet. Zwar hat er ein scheinbar wasserdichtes falsche Alibi, ausgestellt von (s)einer Freundin Jan (Natalie Delon), doch trotzdem muss er ein stundenlanges Verhör auf dem Polizeirevier über sich ergehen lassen. Es kommt sogar zu einer Gegenüberstellung mit den verschiedenen Augenzeugen. Zu Jefs Verwunderung wird er jedoch nicht eindeutig wiedererkannt. Auch nicht von der Pianistin des Clubs Valérie (Cathy Rosier), der er bei seiner Flucht nahezu in die Arme gelaufen ist. So wird Jef wieder entlassen. Die Polizei ist sich jedoch weiterhin sicher, den richtigen Mann vor sich gehabt zu haben und so beschatten sie von nun an Jef. Zu allem Überfluss wollen nun auch Jefs Auftraggeber, dass dieser von der Bildfläche verschwindet, weil er ja erkannt wurde. Ein erster Mordversuch schlägt fehl und Jef beginnt, den Spieß umzudrehen...


Schweigen ist Gold und an diese Maxime hält sich Melville. Fast 10 Minuten vergehen bis Alain Delon seinen ersten Dialog hat. Worte sind zweitranging und wenn gesprochen wird, dann nicht ohne Grund. Sonst reichen Delons Präsenz und Melvilles Gespür für Bildkompositionen, um den Film und die Geschichte voran zu treiben. Letzteres ist natürlich insofern nicht so schwer, als dass das Grundgerüst nicht zu komplex ist und sich inhaltlich am amerikanischen Gangsterfilm/Film Noir orientiert. Doch erst durch die europäischen Einflüsse, wie eben die Nouvelle Vague und die Reduktion bekannter Elemente, wie eben des Dialogs, zeichnen die Narration und damit einhergehend den gesamten Film aus. Herausragend ist da sicherlich die Eröffnungssequenz. Der Zuschauer blickt minutenlang in einen heruntergekommenen Raum. Zuerst bemerkt man sicherlich nur den Vogelkäfig und hört das Gezwitscher dessen Bewohners. Später fällt einem dann Jef Costello auf, wie dieser auf seinem Bett liegt und eine Zigarette raucht. Überspitzt formuliert braucht man ab dieser Stelle den Film gar nicht mehr weitergucken, erzählt diese Szene doch schon so viel über den weiteren Verlauf, ist Spiegel- und Vanitasbild, Ausgangspunkt für die Reise des verlorenen Titelhelden Jef Costello. Monsieur Melville, chapeau! Ich ziehe meinen Hut: 09/10.

Dienstag, April 27, 2010

Der Wilde

Auch in den USA brach nach dem Zweiten Weltkrieg formell eine Zeit des Friedens und der Zufriedenheit an. Die Achsenmächte waren besiegt und das Land ging wirtschaftlich gestärkt und sozialpolitisch revolutioniert aus dem Krieg hervor, während der Eiserne Vorhang und der Kalte Krieg noch in ihrer Testphase steckten. Doch auch jenseits des großen Teichs war nicht alles Gold was glänzt und speziell die heimkehrenden Veterane und die amerikanische Jugend konnten sich nur schwerlich in jene (neue) Gesellschaft einordnen und suchten Ventile, um sich Luft zu verschaffen. László Benedeks The Wild One spielt in dieser Zeit und erzählt, lose basierend auf einem wahren Vorfall, von einigen dieser Suchenden, die sich zu einem Motorradclub zusammen- geschlossen haben, um als Black Rebels Motorcycle Club durch die Lande zu ziehen.

Nachdem die B.R.M.C.s unter Führung ihres Kopfes Johnny (Marlon Brando) kurzerhand ein offizielles Motorradrennen gestört haben und des Platzes verwiesen werden - natürlich nicht ohne ein kleines Souvenir in Form eines geklauten Pokals - stranden sie in Wrightsville, einem kleinen kalifornischen Kaff. Nach einem kleineren Unfall beschließt man, auch auf Drängen einiger Einwohner, erst einmal in der Stadt zu bleiben, damit das verletzte Clubmitglied verarztet werden kann. Während der örtliche Barkeeper das Geschäft seines Lebens macht, findet Johnny Interesse an der schönen Kathie (Mary Murphy), die zu allem Überfluss die Tochter des Dorfsheriffs ist, was bei Johnny wiederum auf wenige Gegenliebe stößt. Die allgemeine Situation ist zwar ausgelassen aber friedlich. Das ändert sich, als mit den Beetles eine weitere Bikergang in der Stadt ankommt. Deren Anführer Chino (Lee Marvin) und Johnny sind alte Bekannte und teilen daher auch handfeste Freundschaftsbekundungen aus. Als Chino jedoch mit einem Bewohner aneinandergerät und ins Gefängnis wandert, sind die Differenzen vergessen und die Situation droht zu eskalieren, zumal nun auch die Dörfler genug vom lautstarken Besuch haben und wenig später zur Selbstjustiz greifen.

Auch wenn der Film, wie eingangs schon erwähnt, auf einer wahren Begebenheit beruht, wurde die Geschichte für den Film natürlich weitaus drastischer dargestellt, als sie sich wirklich zugetragen hat. Dies ändert aber gar nichts an der eigentlichen Aussage von The Wild One, stehen doch hier Menschen im Vordergrund, die ihren Platz im Nachkriegsamerika nicht gefunden haben und auch noch auf der Suche nach ihrer Identität sind. Bezeichnend dafür ist Johnnys Antwort auf die Frage: "What're you rebelling against, Johnny?" - "Whaddya got?". Damit trifft der Film, der von seiner Art und Thematik her schon fast unamerikanisch zu sein scheint, jedoch den Zeitgeist, ein Phänomen, was auch für den Film Noir gilt. Schade ist übrigens, dass die amerikanischen Zensoren stellenweise gar nicht so einverstanden waren mit der Darstellung des braven Bürgers aber nichtsdestotrotz ist eine gewisse Ambivalenz in der allgemeinen Aussage des Films auch so noch spürbar. Passend zur Thematik wurde The Wild One auch in Schwarweiß gedreht und speziell hier merkt man, dass Benedeks Wurzeln beim Deutschen Expressionismus anzusiedeln sind und so hat er einige bemerkenswerte Einstellungen geschaffen. Der Film war übrigens auch für Marlon Brando bedeutend, hinterließ sein Auftritt als Johnny doch bleibenden Einfluss in der Popkultur. Wer kennt denn nicht das Bild von ihm mit Lederjacke, Schiebermütze und Motorrad? Sicherlich bietet der Film, speziell aus heutiger Sicht, einige unfreiwillig komische Szenen, wenn zu sehr übertrieben wurde aber das sind nur Kleinigkeiten, die das Vergnügen kaum schmälern. 08/10

Montag, April 05, 2010

Ich folgte einem Zombie


Für Fans klassischer Horrorfilme ist Val Lewton eine feste Institution. Als Chef der Horror-Abteilung der RKO Pictures zeichnete er sich für neun Genrebeiträge verantwortlich, die heute Kultstatus genießen und Lewtons Namen unsterblich machten. Trotz der Tatsache, dass diese Filme für wenig Geld als B-Produktionen abgedreht wurden,überzeugen sie doch vor allem aufgrund ihrer hochwertigen Geschichten und setzen sich damit leicht von anderen Produktionen jener Zeit ab, auch wenn die Titel stellenweise publikums-
wirksam reißerisch ausgewählt wurden - Lewton selbst konnte sich nicht dagegen wehren, hatte er darüber keine Kontrolle. Letzteres sollte man dann auch im Hinterkopf haben, wenn man sich Jacques Tourneurs I Walked with a Zombie zur Brust nimmt, der auch die Zombie-Thematik anders beleuchtet, als man es aus den "of the Dead"-Filmen und ähnlichen "moderneren" Vertretern kennt.

Der Film selbst spielt auf einer Karibikinsel, auf die es die Kanadierin Betsy (Frances Dee) verschlägt, soll sie doch dort als Krankenschwester arbeiten und die kranke Ehefrau des Plantagenbesitzers Paul Holland (Tom Conway) pflegen. Auf der Insel angekommen, lernt Betsy auch Pauls Halbbruder Wesley (James Ellison) kennen und realisiert schnell, dass Paul, dessen Frau Jessica und Wesley eine gemeinsame, unrühmliche Vergangenheit haben, welche wohl auch zu Jessicas Erkrankung beigetragen hat. Zu allem Überfluss verliebt sich Betsy auch noch in Paul, will aber ihren Gefühlen keinen freien Lauf lassen und stattdessen als Zeichen ihrer Liebe Jessica, die nach einem tropischen Fieber den Verstand verloren hat und nun, nur noch einer Hülle gleich, vor sich hin vegetiert, helfen, wieder zu Sinnen zu kommen. Dabei scheut sie es auch nicht, die örtlichen Voodoo-Rituale als Heilmittel in Betracht zu ziehen, wodurch das Unheil seinen Lauf nimmt...

Der Begriff Zombie bezieht sich hier also auf das klassische Bild eines willenlosen Wesens und hat nichts mit den bluthungrigen Untoten der heutigen Popkultur zu tun und so dreht sich I Walked with a Zombie auch um jene Voodoo-Rituale, bei denen u.a. auch jene schwarze Magie angewendet wird, wenngleich primär die Familiengeschichte der Hollands im Mittelpunkt steht, die während der kurzen Laufzeit von nicht einmal 70 Minuten Stück für Stück ans Tageslicht gelangt und auch stellenweise Parallelen zu Charlotte Brontes Jane Eyre aufweist. Letzteres ist aber gleichzeitig auch hinderlich, wünscht man sich doch stellenweise weniger verzweifelte Liebesgeschichte, sondern mehr Suspense und Grusel, denn dann trumpfen Tourneur und Lewton auf, haben sie doch eine wahrlich schaurige Atmosphäre erschaffen und wenn Betsy und Jessica nächtens durch das Zuckerrohrfeld laufen, um den geheimen Ort des Voodoo-Rituals aufzusuchen, dann kann man die Nackenhaare einzeln zählen. Das Spiel mit Licht und Schatten, dem clever eingesetzten Produktionsdesign in Kombination mit der sich langsam entwickelnden Story und die von Anfang an düstere, feindselige Atmosphäre machen die großen Momente des Films aus. Untermalt wird das Ganze dann auch noch durch die bedrohlich wirkenden Voodoo-Trommeln, die über weite Strecken die musikalische Begleitung bilden. Horror/Grusel kann so schön sein und Tourneur/Lewton liefern hier einen wunderbaren Beweis ab. 8,5/10

Sonntag, März 21, 2010

Die Gefürchteten Vier


Die "Men on a Mission"-Geschichten waren in den 60er Jahren ein beliebtes Thema, angestoßen durch den großen Erfolg von The Magnificent Seven, stolperte man in vielen weiteren Western, Action- und Kriegsfilmen auf jenes Grundgerüst. So auch in Richard Brooks The Professionals, der 1966 in die Kinos kam und, wie es für jene Art Film üblich war, ein namhaftes Staraufgebot aufweisen kann: Burt Lancaster - einer der größten Stars seiner Zeit -, Lee Marvin, Robert Ryan - bekannt aus unzähligen Western - und die bezaubernde Claudia Cardinale drücken sich hier die Klinke in die Hand und natürlich darf man auch nicht Jack Palance vergessen, der hier mit fetzigem Oberlippenbart einen mexikanischen Revolutionsführer verkörpert.

Alles beginnt damit, dass die Frau - Maria (Claudia Cardinale) - des Eisenbahnmagnaten J.W. Grant von dem mexikanischen Revolutionär Raza (Jack Palance) entführt wird und dieser nun ein saftiges Lösegeld verlangt. Grant will aber nicht zahlen und engagiert daher einen kleinen Trupp Spezialisten, die Maria befreien und über die Grenze bringen sollen. Anführer ist der Waffenexperte Rico Fardan (Lee Marvin), der von dem Sprengstoffexperten Bill (Burt Lancaster), dem Spruenleser Jake Sharp (Woody Strode) und dem Wrangler Hans Ehrengard (Robert Ryan) unterstützt wird. Gemeinsam reitet man südwärts nach Mexiko und nimmt die Verfolgung Razas auf, der für Fardan und Bill kein Unbekannter ist, kämpften sie vor Jahren Seite an Seite während der Revolution, doch jetzt sind sie Gegner. In Mexiko angekommen bleibt der kleine Trupp nicht lange unerkannt und man muss sich aus verschiedenen brenzligen Situationen befreien, bis man schließlich Razas Lager aufgespürt hat, doch natürlich kommt dann Alles anders als man geplant hat.

Auch wenn Die Gefürchteten Vier nicht ganz abstreiten können, dass Die Glorreichen Sieben als Vorreiter herhalten mussten, erinnert doch Maurice Jarres Score durchaus an die Musik von Bernstein und ist auch die Grundkonstellation stellenweise vergleichbar - Team von Profis geht über die Grenze - so geht Brooks dann aber eigene Wege, die schon eher zur Entromantisierung des US-Westerns beitragen, indem auch hier wieder Moral und Motivation der Protagonisten in den Vordergrund gestellt werden. Das Alles ist verpackt in einen überaus unterhaltsamen Genrevertreter, der nicht nur mit viel Dynamik und Actionszenen punkten kann, sondern vor allem von seinen unterschiedlichen Charakteren lebt, deren Miteinander so manch markigen Oneliner hinterlässt. Das Skript an sich ist nicht übel geraten, kann aber zum Ende nicht ganz überraschen/überzeugen, ist die Storyvariation doch allzu gut bekannt aber Letzteres stört im Grunde nicht wirklich, stimmt das Gesamtpaket doch und es macht einfach Spaß, das Treiben zu beobachten bzw. sich an der Schönheit Claudia Cardinales zu erfreuen und die knapp zwei Stunden vergehen wie im Flug. Selbst Filmfreunde, die mit US-Western nicht so viel am Hut haben, dürfen hier einen Blick riskieren: 08/10.

Montag, März 01, 2010

Gangster in Key Largo


Wann ist der richtige Zeitpunkt für Heldenmut und wann ist es Weise, sich ruhig zu verhalten? Fragen, die in John Hustons Klassiker Key Largo eine entscheidende Rolle spielen. Der Film, der 1948 in die amerikanischen Kinos kam, ist gleichzeitig auch das letzte gemeinsame Projekt der inzwischen verheirateten Schauspieler Humphrey Bogart und Lauren Bacall, die in insgesamt vier Warner-Produktionen Seite an Seite spielten und so zu einem der berühmtesten Paare Hollywoods wurden - privat wie geschäftlich. Regie führte der unvergleichbare John Huston, der erneut unter Beweis stellte, dass es "eigentlich" recht wenig bedarf, um einen guten Film zu machen: die passende Story und kompetente Schauspieler, spielt Key Largo an sich eigentlich nur an einem Set und hat so durchaus Züge eines Kammerspiels.

Inhaltlich handelt die Geschichte von Frank McCloud (Humphrey Bogart), einem Veteranen des Zweiten Weltkriegs, der sich zu den Florida Keys aufmacht, um die Familie seines gefallenen Kameraden zu besuchen. Diese findet er auf der Insel Key Largo, wo der Vater seines verstorbenen Waffenbruders James Temple (Lionel Barrymore) und dessen Schwiegertochter Nora (Lauren Bacall) ein kleines Strandhotel bewirtschaften. Doch schon bei der Ankunft scheint etwas nicht zu stimmen, wird das Hotel doch von zwielichtigen Personen bevölkert, die alles andere als gastfreundlich reagieren. Doch Frank wird immerhin von James freundlich aufgenommen und eingeladen, eine Nacht im Hotel zu verbringen, um ihm mehr von seinem Sohn und den Umständen seines Todes zu erzählen. Die Situation spitzt sich zu, als nicht nur die Polizei mehrmals das Hotel aufsucht - man ist hinter zwei geflohenen Kleingaunern her, sondern auch durch die Tatsache, dass sich ein Hurrikan vor der Küste zusammenbraut. Diese Umstände führen dann auch dazu, dass sich die myteriösen Hotelgäste zu erkennen geben: es ist der Gangster Johnny Rocco (Edward G. Robinson) mit seinen Männern, der diesen abgelegenen Ort aufgesucht hat, um einen Deal über die Bühne gehen zu lassen. Kurzerhand nimmt man alle Unbeteiligten als Geisel doch der Sturm und Machtspiele gehen bei beiden Seiten an die Substanz und gewalttätige Zwischenfälle scheinen unausweichlich.

Schon die ersten Minuten des Films geben einen Anhaltspunkt, wohin die Reise noch gehen wird. Selbst als die Situation noch ungefährlich zu sein scheint, macht sich ein Unbehagen bei den Zuschauern breit, provoziert durch eine latent bedrohliche Atmosphäre: Die Luft ist schwül und die Hotelgäste alles andere als vertrauenserweckend. Ein Vorgeschmack auf das, was Huston noch loslassen wird, wenn sich Bogart und Robinson erst einmal gegenüberstehen, denn dann ist die Spannung bis in die Haarspitzen spürbar und jede falsche Bewegung könnte die letzt sein und schon aus der Ferne hört man das Heulen des Sturms, während es an der Zeit ist zu entscheiden, ob man ein toter Held oder lebender Feigling sein möchte, steht doch das Verhalten der Einzelnen, speziell Frank McClouds, im Mittelpunkt. Ein Aspekt im Film, der die Zugehörigkeit Key Largos zum Film Noir, wo die innere Gebrochenheit der Protagonisten einen Hauptaspekt darstellt, unterstreicht. Angesichts jener Eckpunkte ist es auch kein Wunder, dass den Schauspielern hier ein verstärktes Augenmerk gilt und speziell Edward G. Robinson unterstreicht erneut, warum er zu den Besten seines Fachs gehörte und dafür zu Lebzeiten nie wirklich ausgezeichnet wurde. Wie dem auch sei, Key Largo ist ein Muss für jeden Klassikfreund und Thrillerliebhaber: 09/10.

Sonntag, Januar 31, 2010

Lohn der Angst

Das menschliche Verhalten in Extremsituationen wurde schon oft in Filmen thematisiert aber nur wenige haben auch nur annähernd die Klasse eines Lohn der Angst, der 1953 in die europäischen Kinos kam und bis heute wohl das bekannteste Werk des französischen Regisseurs Henri-Georges Clouzot ist. Der selbst unter widrigen Bedingungen gedrehte Film vereint dabei Elemente des Film Noir und des europäischen Kinos der Nachkriegszeit, ist Charakterstudie und Abenteuerthriller zugleich und ebnete sicherlich den Weg für das Actionkino, so wie wir es heute kennen.

Der Film spielt dabei in der südamerikanischen Einöde, in einem kleinen Dorf mitten im Nirgendwo, welches von diversen gescheiterten Existenzen bevölkert wird, deren eine Hoffnung sie alle verbindet: endlich den Absprung aus diesem Nest zu schaffen. Darunter befinden sich auch Mario (Yves Montand), den man schon ein wenig als Sunnyboy titulieren kann, der Deutsche Bimba (Peter van Eyck) und der Italiener (Folco Lulli). Wenig später strandet auch noch der ältere Jo (Charles Vanel) in dem Ort. Früher einmal eine große Nummer, lebt er noch immer von seinem Namen. Die Vier sind es auch, die kurz darauf einen Job bei hiesigen Ölfirma annehmen, der ihnen endlich Reichtum und ein Ticket nach Hause verspricht. Die Sache hat nur einen Haken: Sie müssen als Himmelfahrtskommando zwei LKW-Ladungen Nitroglyzerin zu einem 300km entfernten Bohrfeld schaffen, damit dort ein Brand gelöscht werden kann. Schon nach wenigen Metern macht sich die Angst bei den ersten Besatzungsmitgliedern breit und es liegen noch hunderte Kilometer vor ihnen...

Um die einzelnen Charaktere besser zu verstehen, sich mit ihnen identifizieren zu können, nimmt sich Regisseur Clouzot fast eine Stunde Zeit, um sie vorzustellen und der Zuschauer bekommt ein detailliertes Bild ihrer aktuellen Lebenssituation, bevor jenes Porträt schon wenig später demontiert wird, wenn sie dem Druck der Anspannung und der Angst ausgesetzt sind, der während des Transports omnipräsent ist. Man merkt schnell, welches Verhalten bisher nur Fassade war, doch all diese Rekationen der Charaktäre wären nicht nachvollziehbar, wenn jenes Angstgefühl, welches sie umgibt, nicht auch zum Zuschauer transportiert werden würde und hier zeigt sich Clouzots genialer Inszenierungssinn, wenn die LKWs über buckelige Pisten rumpeln, an tiefen Abgründen vorbeirollen und man nie weiß, was sich hinter den nächsten Kurve verbergen wird. So leidet man als Zuschauer förmlich mit und so muss Film auch sein. Eine tour de force par excellence. 9,5/10